Trix Express Triebwagen und Triebzüge

(Autor: Michael Linnenbach)

Triebwagen entstehen bereits in der Frühzeit der Eisenbahnentwicklung. Meist leisten sie ihren Dienst im Bereich des Nahverkehrs auf Nebenbahnen und Schmalspurbahnen. Analog zu den Lokomotiven nutzen die ersten Fahrzeuge ebenfalls Dampf als Antriebsquelle. In England werden Dampftriebwagen schon 1847 als öffentliches Verkehrsmittel in den Dienst gestellt. Als erster deutscher Dampftriebwagen zählt eine Dampfdraisine der Berliner-Hamburger Eisenbahn, die 1854 von der bekannten Maschinenbauanstalt Borsig (Berlin) produziert und ausgeliefert wurde. Infolge der weiterentwickelten Antriebstechnik durch Diesel- und Elektromotor beginnt um 1900 die Blütezeit der Triebwagen und Triebzüge. Triebzüge sind von Triebwagen zu unterscheiden, da sie aus mehreren Trieb- Zwischen- und Steuerwagen bestehen. Beide Fahrzeugtypen übernehmen im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts in weiten Teilen Europas den Regionalverkehr. Mit ihren diesel- oder elektrisch angetriebenen Einheiten erzeugen sie bessere Beschleunigungswerte als schwere, lokomotivbespannte Züge, was sich bei den zahlreichen Haltestellen im Nahverkehr besonders bemerkbar macht. In Südwestdeutschland gelangt der Dampftriebwagen nach Bauart Kittel zu einem gewissen Bekanntheitsgrad. So wurden zwischen 1905 und 1915 sowohl von der BadStB als auch von der KWStB insgesamt achtzehn Fahrzeuge beschafft.

Dampftriebwagen Kittel, Werksfoto Maschinenfabrik Esslingen (1905), © public domain

Trix Dampftriebwagen Kittel (KWStB), Umbau für TE, Foto: M. Linnenbach

Die Beliebtheit der Triebwagen und Triebzüge findet auch Resonanz bei den damals führenden Modellbahnhersteller Märklin und Trix. Entsprechend unserer Webseite wird nachfolgend nur auf die Modelle von Trix Express eingegangen. Zuvor einige Erläuterungen der wichtigsten Abkürzungen:

  • DT - Dampftriebwagen
  • ET – Elektrotriebwagen
  • ETA - Akkumulatortriebwagen/ -zug
  • VT - Verbrennungstriebwagen/ -zug
  • VB - Beiwagen zu Triebwagen mit Verbrennungsmotor
  • TE - Trix Express
  • TTR - Trix Twin Railway

TE 20/58 Dieseltriebwagenzug in Wechselstromausführung (Neuheit von 1938)

Vorbild des TE 20/58 ist wohl der VT 137 060 der Deutschen Reichsbahn. In der damaligen Fachpresse wird irrtümlich als Vorlage der "Fliegende Hamburger" zitiert, doch dazu besteht keinerlei Ähnlichkeit. 1939 erscheint der TE Dieseltriebwagenzug baugleich auch in England als TTR-Modell unter dem Begiff Diesel Flyer - natürlich ohne Reichsadler. In Gleichstromausführung kam der TE 20/58 von Trix nicht auf den Markt.

TE 20/58 schon damals mit wechselnder Front- und Schlussbeleuchtung je nach Fahrtrichtung

TE 7/900 Dieseltriebwagenzug für die Batteriebahn (1954 - 1956)

Ein reines Fantasiemodell - heute würde man sagen: "Trix for Kids" - der TE 7/900 im amerikanischem Layout für die damals beliebte 4,5-Volt Batteriebahn. Gemeinsam mit der bekannten Trix Batterietenderlok (TE 6602), läuft der Triebwagen in vielen Kinderzimmern der 1960er Jahre. Gute Verkaufszahlen veranlassten die Firma Trix zum Entwurf eines Bei - bzw. Mittelwagens, der allerdings nie in Serie ging. Viele Jahre später wird eine Kleinserie von Franz Nowack aufgelegt und auf Veranstaltungen der IG Trix Express angeboten. Inzwischen ist der TE 7/900, inclusive Mittelwagen, unter Liebhabern sehr gesucht.

TE 7/900 mit Mittelwagen auf der Anlage des Autors, Fotos: © Michael  Linnenbach

TE 759, 2280 - Verbrennungstriebwagen VT 75.904 mit VB 140, rot (1954 - 1957)

Wie das Trix Modell so war der VT 75.9 auch im Original ein typischer Einheits-Triebwagen für Nebenstrecken. Entwickelt von MAN und produziert in der Waggonfabrik Bautzen, entstehen zwischen 1933 bis 1938 etwa 65 Motorwagen dieser Baureihe. Zeitgleich werden 60 Beiwagen des Typs VB 140 in verschiedenen Werkstätten hergestellt. Mit einer Leistung von 120 bis 135 PS (MAN Dieselmotor) erreichen die Schienenfahrzeuge eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h. Meist verfügen die Züge jeweils über eine Toilette sowie einem Gepäckraum. Die rechteckigen Wagen besitzen jeweils zwei zurückgesetzte Einstiegsbereiche an den Enden. Insgesamt finden 40 Personen sowohl im Triebwagen als auch im Beiwagen Platz. Markantes Merkmal des VT 75.9 sind die beiden quergestellten fahrtwindbelüfteten Kühler auf dem Dach, die auch im Modell nachgebildet sind.

Gut erhaltene Exemplare der nun über 60 Jahre alten Trix Express Fahrzeuge sind selten. Wenn überhaupt, finden sich auf Börsen und im Internet stark bespielte, meist fahruntüchtige Triebwagen. Dennoch lassen sich die einachsig angetriebenen Fahrzeuge (Kardanwelle) mit ihrem Metallgehäuse und dem unverwüstlichen Permamotor mit etwas Geschick und Erfahrung gut restaurieren. Ersatzteile wie Dachlüfter finden sich bei Ton Jongen. Etwas komplizierter ist die Reparatur eines defekten Kardan-Antiebs (► mehr Infos).

 VT 75.9 und VB 140 mit Metallgehäuse, auf eine Inneneinrichtung wurde seitens des Herstellers verzichtet.Foto: © Michael  Linnenbach 

TE 2273 - Verbrennungstriebwagen VT135 055 mit VB 140 beige/rot

Angeboten wird das Triebwagenmodell in Epoche 2-Ausführung (DRG) sowie in Epoche 3 (DB) ab 1980. Im Gegensatz zum VT 75.9 besitzt der VT 135 einen zweiachsigen Antrieb. Sowohl Motorwagen als auch Beiwagen sind aus Kunstoff gefertigt. Von Trix existieren die Varianten rot und beige/rot sowohl in Express- als auch in internationaler Ausführung. Bei beiden HO-Modellen stören die schwarzen Fenstereinsätze des Motorwagens erheblich, da dadurch keine Innenbeleuchtung des Fahrgastraums möglich ist. Die Beiwagen dagegen lassen sich mittels eines nachträglich eingebauten LED-Streifens gut beleuchten. Ansonsten sind die Gehäuse detailreich und maßstäblich beschriftet. Auch die Inneneinrichtung des Beiwagens ist realistisch strukturiert. 

 

TE Triebwagengarnitur (DRG) in beige/rot, Kunststoffgehäuse

VT 135 055 TE-Motorwagen mit schwarzen Fenstereinsätzen, Fotos: Michael Linnenbach

 

TE 2268 - Dieseltriebwagen 858 

Vorbild dieses Modells ist der dieselgetriebene VT 858 der Deutschen Reichsbahn (RbD Mainz) aus dem Jahr 1927. Die schweren Fahrzeuge (ca. 40.000 kg) gleichen von den Ausmaßen her (Länge: 22 m, Breite 2,9 m) einem D-Zug-Wagen und laufen auf 2-achsigen Drehgestellen. Das aufgewölbte Tonnendach enthält eine Luftansauganlage sowie mehrere Luftkühler. Interessant bei Original und Modell ist der gekuppelte Stangenantrieb am hinteren Drehgestell. Unmittelbar darüber liegt der Maschinenraum Er beherbergt einen 12 Zylinder Maybach-Dieselmotor mit einer Leistung von 410 PS -Die maximale Geschwindigkeit liegt bei ca. 65 km/h. Der auch im Trix-Modell umgesetzte Leiteraufstieg am hinteren Wagenende dient zur Wartung der Luft- und Kühlanlagen. Einsatzorte dieser Triebwagenserie  im Südwesten waren die Eisenbahndirektionen Stuttgart und Mainz. Ein Exemplar aus dieser Reihe ist der Nachwelt leider nicht erhalten geblieben.

Das beige/rote TE Modell mit 4 angetriebenen Achsen zeigt gute Fahreigenschaften mit entsprechend angepasster Geschwindigkeit. Äußere Details und Beschriftung sind vorbildlich umgesetzt. Ausgerüstet ist das Modell mit einer Innenbeleuchtung sowie einem fahrtrichtungsabhängigen Spitzen-/Schlußsignal. Die serienmäßig eingebaute Innenbeleuchtung ist allerdings etwas zu schwach ausgelegt. 

TE Modell des VT 858 der DRG mit Reichsadler, Fotos: Michael Linnenbach

 VT 858, Stangenantrieb mit darüberliegendem Motorraum (linke Tür)

VT 858 auf der Anlage des Autors

Der DB-Dieseltriebwagen VT 62.904 geht auf den VT 858 zurück. Mit dem neuen Nummernplan aus dem Jahr 1947 wird der VT  entsprechend umbenannt. Nach Ausbesserung im RAW Friedrichshafen (neuer Motor, neue Heizung) gelangt das Fahrzeug nach Hannover, wo es im Hbf stationiert wird. Von dort aus bedient es in den 1950/60er Jahren die Nebenstrecken der DB rund um Hannover.

TE Dieseltriebwagen VT 62.904 im purpurroten Anstrich der DB, ansonsten baugleich wie obiges Modell

TE 2290 - VT 798 mit VB 998

Der Einheitstriebwagen VT 98.9 wurde nach dem 2. Weltkrieg in den 1950er Jahren von der DB entwickelt. Umgangssprachlich als Schienenbus oder "Roter Brummer" bezeichnet, erfreute sich dieser Triebwagentyp allgemein großer Beliebtheit. Tatsächlich erinnert die mit 56 Sitzplätzen ausgestattete Inneneinrichtung mehr an einen Omnibus als an einen Eisenbahnwagen. Als Besonderheit konnten die Rückenlehnen der Sitzbänke je nach Fahrtrichtung umgeklappt werden. Am Rand von großstädtischen Ballungszentren mit hohem Verkehrsaufkommen kam der "Rote Brummer" häufig als dreiteilige Zuggarnitur zum Einsatz. Auf verkehrsarmen Nebenstrecken dagegen trug er wesentlich dazu bei, dass diese nicht stillgelegt wurden.

Die Schienenbusgernitur von Trix Express ist von der Laufleistung und dem äußeren Erscheinungsbild nur unzureichend umgesetzt. Sehr störend wirken die abgedunkelten Führerstände.

Schienenbusgarnitur VT 798 in der TE Ausführung, Foto: Michael Linnenbach

 

- (Beitrag wird fortgesetzt) - 

 

TTR Blue Meteor, England. Foto: Michael Linnenbach